Ausgangslage

Eine zukünftige Energieversorgung mit regenerativen Energien wird im Wesentlichen eine elektrische Energieversorgung sein, da sich vor allem Wind- und Sonnenenergie besonders gut in elektrischen Strom umwandeln lassen. Wegen des schwankenden Dargebots von Windkraft- und Photovoltaikanlagen muss in Zukunft in der elektrischen Energieversorgung ein aktives Lastmanagement betrieben werden, um Erzeugung und Verbrauch aufeinander abzustimmen. Ergänzend zum bisher schon getätigten Einsatz von Reservekraftwerken ist die Verringerung von Residuallastspitzen zu betreiben. Bereits im Jahr 2012 hat der VDE zu diesem Thema die Studie „Demand Side Integration“ veröffentlicht und sieht im Jahr 2020 bei Haushalten technisch nutzbare Potentiale von 3,8 GW, bei Gewerbe, Handel und Dienstleistungen 1,7 GW und in der Industrie von 4,5 GW. Damit könnte man viel Geld beim Netzausbau sparen, weil die Anlagen immer auf die sehr kurzzeitig auftretende Maximallast ausgelegt werden müssen.

Antrag an den AKU

In dem genannten Zusammenhang trifft der auf der Landesversammlung des AKU gestellte Antrag „Lastspitzenreduzierung vor Neubau von Reservekraftwerken“ die Thematik auf den Punkt. Der AKE unterstützt den Antrag und regt eine Fortentwicklung der Gesetzgebung in diesem Sinn an.

Empfehlungen des AKE

Im weiteren Voranschreiten der Energiewende ist regenerativ erzeugter Strom durch ein intelligentes Netz so zu verteilen, dass die Versorgungssicherheit auch in den Momenten des höchsten Energiebedarfs und bei kritischen Netzsituationen gewährleistet werden kann. Ein Schlüsselbaustein liegt hierbei in der Gestaltung der Verbrauchsseite. Neben der Forcierung der Energieeffizienz, um den Energiebedarf und die Leistung zu reduzieren, spielt auch die Verlagerung von der (Last-)Spitzen in die (Verbrauchs-)Täler eine Rolle.

Neben den bereits genutzten und noch nutzbaren Potenzialen von großen Verbrauchern (vor allem in der Industrie) bietet auch die Vielzahl von kleinen Verbrauchern im Haushalt und im Gewerbe, Handel und Dienstleistungssektor ein interessantes Potenzial. Die aktuelle Struktur in der Stromwirtschaft mit der Aufteilung in Stromerzeuger, Stromlieferanten sowie Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern lässt ein Erschließen dieses Potenzials ohne Änderung der gesetzlichen und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen nicht ohne weiteres zu. Die meisten energiewirtschaftlichen Gesetze beziehen sich auf die Erzeugungsseite, während vor allem die Masse an kleineren Verbrauchern jederzeit und ungeregelt elektrische Energie aus dem Netz bezieht kann. An dieser Stelle fehlen klare Führungsgrößen auf der technischen und finanziellen Seite. Google smart home weist auf moderne Lösungsansätze hin, die heutzutage technologisch möglich sind. So gesehen sollten diese oder ähnliche Technologien auch für die Gestaltung der Energiewende eine Rolle spielen. Bisher ist hierfür allerdings gesetzlich oder auf dem Verordnungswege noch nichts vorgesehen.

Der Antrag möchte die Thematik „Demand Side-Management“ in den Vordergrund bringen und zusammen mit den bisherigen eingeleiteten Ideen zu einer erfolgreichen Umsetzung helfen. Das beschriebene Ziel, Lastspitzen zu reduzieren, bevor Kraftwerke eingeschaltet werden (egal ob neu, in Reserve gehalten oder einfach auch nur grundsätzlich), ist sinnvoll und stellt einen wichtigen Baustein für die Energiewende dar. Damit verbunden sind auch die Aufgabe der Vorstellung einer „Europäischen Kupferplatte“ und die Anpassung des Stromhandels an die physikalischen Gegebenheiten, wie durch das Netz, die Kraftwerke und andere Betriebsmittel vorgegeben werden.

Seitens AKE werden folgende Anforderungen an eine Realisierung zur Spitzenlastreduzierung ergänzt:

  1. Sie  muss leicht und möglichst schnell realisierbar sein und berücksichtigen, dass jeder Bürger sich in einfacher Art und Weise beteiligen kann.
  2. Es darf zu keinen ungewünschten Stromnutzungseinschränkung beim Kunden führen.
  3. Einfachheit muss Vorrang vor Komplexität haben, da ansonsten eine Realisierung zu lange dauert.
  4. Es muss sich in die vorhandene Infrastruktur integrieren lassen, beispielsweise könnte  ein zentrales Steuerelement für den Systemdienstleister (Übertragungsnetzbetreiber) oder ein regionales Steuerelement für den Verteilnetzbetreiber mit Zugriff auf einzelne Haushaltsgeräte ein Lösungsansatz sein.
  5. Es muss in finanzieller Sicht als System kostengünstiger sein als ein Kraftwerk.
  6. Die Hauptverantwortung muss beim regionalen Übertragungsnetzbetreiber liegen, damit dieser zuerst einen Ausgleich der Last in der Region vornehmen kann, bevor das Übertragungsnetz herangezogen wird.
  7. Der Einsatz von Kraftwerken und Lastverschiebung muss zentral durch die Verteil- und Übertragungsnetzbetreiber erfolgen. Dabei ist einem regionalen Ausgleich durch den Verteilnetzbetreiber der Vorrang vor einem Ausgleich auf übergeordneter Ebene zu geben.